
Die Karlsbrücke ist eine der ältesten Steinbrücken Europas und wurde anstelle der bei der Flut von 1342 eingestürzten Judithbrücke errichtet. Bereits die Judithbrücke war für das damalige Prag von enormer strategischer Bedeutung. Hier überquerten nicht nur viele Handelsleute die Moldau, sondern die Brücke war gleichzeitig die einzige direkte Verbindung zwischen den einzelnen Stadtteilen Prags. Weil der Einsturz der Judithbrücke einen herben Verlust für die Stadt darstellte, legte Karl IV. im Jahr 1357 den Grundstein für eine neue Steinbrücke. Nach fast fünfzigjähriger Bauzeit wurde die Karlsbrücke fertig gestellt. Von nun an verfügte Prag nicht nur über eine feste und dauerhafte Verbindung der beiden Stadtteile, sondern auch über ein neues Wahrzeichen.

Baumeister der Karlsbrücke war Petr Parléř. Er entwarf die Karlsbrücke, deren Brückenbögen auf einer Länge von 516 Metern von 16 Pfeilern getragen werden. Diese Konstruktion war im 14. Jahrhundert eine großartige Ingenieursleistung. Es wird erzählt, dass damals Eidotter in den Mörtel gemischt wurde, um die Konstruktion der Brücke zu verstärken. Noch heute sind die Besucher der Stadt von dieser sehr massiv wirkenden Brücke beeindruckt. Anders als ihre Vorgängerin – die Judithbrücke - überlebte die Karlsbrücke schon viele Fluten, neuerdings im August 2002 als das Land die schlimmsten Überschwemmungen seit 500 Jahren erleben musste - die Eidotter scheinen also eine gute Idee gewesen zu sein.

Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde die Karlsbrücke dann mit barocken Heiligenstatuen geschmückt. Heute sind viele der 30 Figuren nur noch Kopien, die Originale können im Lapidarium (siehe unter
Prager Museen) bewundert werden. Als bekannteste Plastik gilt jene des Heiligen Johannes von Nepomuk. Der Prediger wurde 1393 auf Befehl des Königs von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen, weil er als Beichtvater der böhmischen Königin fungierte und dem König trotz Folter nicht verraten wollte, was ihm von seiner Königin gebeichtet worden war. Nepomuk ertrank in der Moldau. 1729 wurde er von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen. Die Namensplakette dieser Statue scheint hell und klar dank der vielen tausend Leute, die sie über die Jahrhunderte berührt haben. Glück und eine Rückkehr nach Prag soll diese Berührung versichern.

Beeindruckend ist auch der Altstädter Brückenturm. Er gehört zu den schönsten gotischen Türmen der Welt und ist mit vielen Plastiken geschmückt. Ebenso wie die Brücke wurde er von Petr Parléř entworfen und zwischen 1370 und 1400 gebaut. Auf der anderen Seite der Brücke steht ebenfalls ein Turm. Sowohl der Staroměstská věž auf der Seite der Altstadt als auch der Malostranská věž auf der Kleinseite können bestiegen werden für einen schönen Ausblick auf Prag und die Brücke von oben.

Die Karlsbrücke ist ganz oben auf der Liste "Sehenswürdigkeiten, die man in Prag gesehen haben muss". Sie ist aber auch ein beliebter Treffpunkt von Künstlern, Musikern und Souvenirverkäufern, deren Stände die Brücke das ganze Jahr über zu beiden Seiten säumen. Die Abendstunden bieten einen atemberaubenden Blick auf die voll erleuchtete Prager Burg vor dem dunklen Abendhimmel. Heute ist die Brücke eine Fußgängerzone (obwohl Bahnverkehr bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Autoverkehr bis in die 1960-er erlaubt waren) und eigentlich immer gefüllt mit Leuten. Wenn Sie die Brücke mal wirklich für sich haben wollen, kommen Sie spät nachts oder sehr früh am Morgen.
06. September, 2007