
Die nächste Entdeckungsreise zu einem Restaurant im Dunstkreis von Fuchs und Hase führt uns – welch Überraschung – nach Schottland. Auf die Applecross Peninsula, um genau zu sein: ein Ort, der im Gaelischen “a chomraich” heißt, verdient die Aufmerksamkeit, die Fans von Natur und Einschicht ihm schenken, auch einige Päckchen Emser zur korrekten Aussprache des Namens. Genau hier inmitten der menschenarmen Schönheit und Ruhe findet sich ein Gourmetgral der ersten Liga:
das Applecross Inn

Strassen sind nicht unbedingt die Stärke der Halbinsel und so ist es notwendig, entweder den steilen und kehrenverseuchten Pass of the Cattle zu überqueren (oder sich von der anderen Seite her irgendwie durchzumäandern). Während man am Juchee oben – wir reden hier von Schottland, wo Fuß nicht Meter sind und Berge eigentlich Hügel – Schnappschüsse von beiden, dem Pass und dem Cattle macht, sollte man aufpassen, dass einen die vorbeiglühenden Porsches, Jaguare und Strandbuggys, die zum Inn düsen, nicht über den Haufen führen. Gut, das war jetzt vielleicht eine kleine Übertreibung.

Seit 1989 schwebt die Besitzerin Judith Fish auf ihrer eigenen gastronomischen Wolke (für Nephologen: Cirrosstratus fibratus) und bietet Meeresfrüchte in Topqualität in einem charmanten Landgasthaus, welches das geschäftige Pulsieren eines typischen Stadtpubs hat. Und all das quasi am Ende der Welt. Ein idealer Ort zum Verweilen, solange man Ablenkungen vermeidet wie etwa: die schöne Landschaft, spazieren durch die schönen Landschaft oder Fotos machen von der schönen Landschaft. Für all diejenigen, die der magnetischen Anziehungskraft der rauen und austeren Schönheit von besagter Landschaft nicht widerstehen können, bietet das Inn appetitanregende Ausblicke auf Raasay und Skye, den Ben Nevis und die Cairngorms. Sollte das Wetter gnädig sein, gibt es sogar einen Schanigarten direkt am Ufer der Bucht, von dem aus man diese Ausblicke ohne übertriebene Interaktion mit den Objekten genießen kann.

Wir besuchten das Applecross Inn, der Empfehlung eines Whiskyfreundes folgend, auf einem Abstecher von unserer hektischen Schottlandtour. Wir übernachteten in einem der gemütlichen Zimmer ohne Fernseher und Handyempfang (Jawohl!! Faustbagger hier!). Dies bescherte uns ausreichend Zeit, um die Köstlichkeiten der Küche zu verkosten: vor Ort gefangene Hummer, Krabben, Austern, Jakobs- und andere Muscheln. Frisch und saftig. Zu Mittag gönnten wir uns Hummer, Austern und Krabben. Draußen im sonnigen Schanigarten am Meer in einer lauen Herbstbrise. Mit einem Guinness oder drei oder auch fünf. Besser wird’s nicht. Vielleicht mit einem Reisepartner, der sich nicht darauf versteift, zwischen den Mahlzeiten die schöne Landschaft zu erkunden.
Der Abend brachte ein örtliches Reh (auf dem Teller) und weitere Scheibtruhen voller Austern und Hummer. Und das in der Atmosphäre unkomplizierter Freundlichkeit und warmer Gastlichkeit, die Judith und ihr Team erzeugen und stimulieren. Was die Abfahrt am nächsten Morgen schwerer machte, als wir erwartet hatten. Wenn es das Applecross Inn nicht gäbe, müsste man es erfinden. Es mag weit weg von allem anderem sein, aber seit unserem Besuch ist es nie weit weg von unseren Herzen.
Abspann mit raunzenden Dudelsäcken…
02. August, 2007