
Noch immer unglaublich originell im Titel gehen wir es an:
The Three Chimneys liegt an einem der nordöstlichen Zipfel der Isle of Skye und weit weg von so ziemlich allem anderen. Am Ufer des Loch Dunvegan, inmitten einer Landschaft von sanftem Torf und wetterfesten Schafen betreiben Shirley und Eddie Spear seit mehr als 21 Jahren erfolgreich ein Gourmetrestaurant mit Hotel. In dieser Zeit haben sie viele Preise und Auszeichnungen gewonnen und zählen zu den besten Restaurants in Schottland.

Die Fahrt dorthin ist auf gut Wienerisch ein breiter Weg. Wir reden hier über verlassene Torfsümpfe, einspurige Strassen und nur andere Restaurantgäste in den entgegenkommenden Autos. Wunderbar! Für solche Menschen, die noch immer glauben, dass es schlechtes Wetter gibt (die gibt es auch bei uns in Österreich: die glauben, dass es so etwas gibt wie schlechten Schnee, wenn es eigentlich nur schlechte Schifahrer gibt) und sich gerne ein bisschen gruseln: Skye ist nicht in den Malediven. Es war windig und zapfig (kühl), aber wie wir wissen ist Kälte nur Gottes Art uns zu sagen, dass wir mehr Whisky trinken sollen.

Trotzdem war das Glück uns hold an jenem Tag, da wir nicht reserviert hatten und gerade noch den letzten freien Tisch bekamen. Es war um die Mittagszeit also wählten wir das spezielle Mittagsmenü, das wir ein wenig erweiterten. Zu Beginn gönnten wir uns frische Syke Austern, die genau das waren und köstlich. Hernach nahmen wir eine Three Chimneys Fischsuppe des Hauses zu uns, eine geile Schüssel fischiger Wohligkeit, gefolgt vom Hauptgang, der Meeresfrüchteplatte. Diese Platte ließ sich nicht lumpen: Langustinen vom Loch Dunvegan (also von gleich um die Ecke) Jakobsmuscheln, Muscheln und Krabbenscheren, so frisch das man meinte, die Tierchen würden sich noch bewegen. Um die Sache abzurunden und die Malts hinunter zu begleiten, verzehrten wir zum Abschluss ein Whisky und Zitronen-Syllabub. Was klingt wie etwas aus dem Herrn der Ringe ist in Wirklichkeit ein kremiges Dessert aus einem mit Zucker, Zitronenschale und Wein versetzten Schlagobers.
Unsere Empfehlung für diesen Ort wären viele Sterne oder, da wir über Orte reden, an denen sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen fünf Füchse und ein fetter Extrahase für Frische der Zutaten und Freundlichkeit des Personals. Da wir aber Bewertungen und Reihungen jeder Art verabscheuen; bitte glauben Sie uns einfach, wenn wir sagen, die drei Kamine sind eine Reise wert. Dass wir Ihnen das hier verraten ist eher eine bittersüße Angelegenheit. Sicher, wir wirken dadurch cool und weit gereist, aber es bleibt immer die Gefahr, dass zu viele Leute von diesen fernen einsamen Kleinoden angezogen werden und wir beim nächsten Besuch dort schon einen eigenen Autobahnzubringer vorfinden. Wenn Sie wirklich müssen, dann fahren sie eben dorthin, aber seien sie dankbar und respektvoll, kaufen Sie das Three Chimneys Kochbuch, nehmen Sie Abstand vom Necken der Schafe und, wenn Sie ein internationaler Reiseveranstalter für Massentourismus sind, überweisen Sie dem Restaurant einfach ein paar Hunderter und lassen Sie es gut sein.
27. Juli, 2007