
Wie wir schon vor langer Zeit androhten, folgt hier nun eine weitere Fortsetzung unserer Lobeshymne auf die Urwiener Institution Naschmarkt, einem pulsierenden Markt und Treffpunkt von Kultur und Handel, der einzigartig in seiner Angebotsvielfalt ist. Diesmal werfen wir einen Blick auf Kaffee. Denn, wie der Schotte Sir James Mackintosh feststellte, 'die Geisteskräfte eines Menschen sind direkt proportional zu der Menge Kaffee, die er trinkt.'

Glücklicherweise ist Wien eine der Kaffeehauptstädte der Welt. Hier ist Kaffee nicht nur eine latent stimulierende schwarze Substanz in einem Papierbecher, meist mit Milch, Zucker und Schlagobers entmannt; Kaffee ist ein Jahrhunderte alter Teil des täglichen Lebens. Wieder diese Geschichte mit den Türken, werden Sie sagen. Diese alte Volkssage über die Belagerung Wiens durch den ottomanischen Visier Kara Mustafa, der einige kritische Fehler bei der Versorgung seiner Truppen machte (grüne Äpfel und unreifer Wein stellten sich als ungeeignete Kost für Soldaten heraus, die einen Eroberungsfeldzug im Sinne hatten), von polnischen und deutschen Entsatztruppen vertrieben wurde und 500 Säcke mit seltsamen, braunen Bohnen zurückließ. Touristenmärchen. Kaffee wurde in Wien schon vor der Türkenbelagerung getrunken, doch sind keine schriftlichen Quellen darüber erhalten. So wurde das Jahr 1683 zum Jahr, in dem der Kaffee nach Wien kam erklärt, auch weil in diesem Jahr das erste Kaffeehaus in Wien eröffnet wurde, das dritte derartige Etablissement in Europa.

Wie auch immer, dieser Artikel ist nicht über Geschichte oder darüber, wer was zuerst gebraut oder geröstet hat. Es geht hier vielmehr um den Ort für den perfekten Kaffee. In der Schleifmühlgasse 21, gleich neben dem Naschmarkt, hat die Kaffeerösterei Alt Wien ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Besitzer Christian Schrödl röstet hier einige der besten Kaffeesorten der Welt unter strengster Qualitätskontrolle. 'Eine einzige schlechte Bohne', so meint er warnend, 'kann ein ganzes Kilo Kaffee verderben.' Die Kaffeesorten, die hier verkauft werden, sind so zahlreich wie die unterschiedlichen Düfte und Geschmäcke, die sie haben. 'Alt Wiener Gold', 'Vivaldi Blend', 'Caruso Blend' oder einfach D.O.C. Bohnen aus einer ausgewählten Region wie etwa Santo Domingo oder Jamaica Blue Mountain. Kaffee verkosten ist genau wie Whisky verkosten. Eine lohnende Erfahrung für die erfahrene Nase. In manchen Sorten finden sich Karamellaromen, Anflüge von Nüssen, Mandeln, Gras, Erde, sogar Holz. Im Unterschied zum Whisky hat Kaffee eine Krone: die 'Crema', jener Schaum, der auf dem Kaffee sitzt und das ultimative Qualitätskriterium für Kaffeemaschine und die verwendeten Zutaten bei der Zubereitung ihres Sonntagmorgen-Espressos darstellt.

Der Duft von frisch geröstetem Kaffee ist ebenso süchtig machend wie die exzellenten Kostproben, die man im Alt Wien zu sich nehmen kann. Aber keine Angst, genauso wie Whisky ist auch Kaffee gut für Sie. Er regt die Verdauung an, hat prophylaktische Wirkung im Fall von Parkinson-Syndrom, Gallensteinen und sogar Krebs, solange die Maximaldosis von 1.5 Gramm Koffein pro Tag nicht überschritten wird. Das entspricht in etwa 15 Tassen. Also sind die meisten von uns auf der sicheren Seite. Zum Abschluss noch ein Zitat von David Letterman: 'Wenn es Kaffee nicht gäbe, hätte ich überhaupt keine identifizierbare Persönlichkeit.'
02. Juli, 2007