Besuch bei den Destillen:
Bruichladdich:
Ein schöner Tag. Jim etwas grantig, seine älteste Tochter Lynne hingegen reizend und sehr bemüht. Die Festival-Abfüllungen - als Geschichte verpackt - lesen sich wie Abenteuer von Teenagern. Wobei der 'Port Charlotte First Cut Valinch' (61,5%, 6 Jahre alt) fast reifer und sauberer wirkt als der '1990 Ghost Ship Valinch' (54,5%) von Bruichladdich, das mag am Fass liegen. Nennen wir doch in der folgenden Geschichte den Port Charlotte einfach ‚Jimmy’, den Bruichladdich hingegen ‚Ewan’.
Jimmy ist sauer. Der Kinderkaffee in der Früh war schlecht und danach ist er mit seinen neuen - noch nach Gummi riechenden - Turnschuhen voll in einer matschigen Torfpfütze versunken. Sein Freund Ewan macht die Stimmung auch nicht besser, stopft der sich doch den ganzen Tag mit diesen weichen Karamellbonbons voll. Als Zugabe hat ihm seine Mama noch eine Torte mit Zitronen-Vanillefüllung mitgegeben, natürlich gibt er dem kleinen Jimmy davon nix ab. Auch die aufkommende Brise vom Meer ändert nichts, Jimmy bleibt sauer. In der Tasche hat er noch einige Früchte von gestern gefunden, die haben schon mal besser ausgesehen. Aber sie sind noch in Ordnung und halbwegs frisch. Ein paar Kirschen, eine Marille und ein paar Weintrauben finden sich da. Schnell hinunter damit, die Dinge werden nicht besser. Ewan dagegen ist so gar nicht für gesunde Ernährung, nach dem Kuchen sind nun Zitronenzuckerl dran, die in ihrem Leben noch keine echte Zitrone gesehen haben, jedoch dreimal stärker danach riechen. Was soll’s, Jimmy will jetzt seine Schuhe irgendwie sauber kriegen und springt in eine - nicht ganz so trübe - Wasserpfütze. Jetzt stinkt alles noch mehr nach Torf, auch egal, der Schlamm ist fast weg. Der ohnehin ungeduldige Ewan hat die Nase nun endgültig voll und will nach Hause. Jimmy auch, er ist ja der Kleinere von den beiden. Ewan muss auf dem Heimweg ja bei Jimmys Haus vorbei und da es schon dunkel wird, trappelt Jimmy mit ihm mit, noch immer ein wenig grantig. Heute sollte er mal richtig ausschlafen, auch wenn Ferien sind.
17. Juni, 2007