
Rauch ist aufgrund seiner Eigenschaften der natürliche Feind jeglicher sensorischer Wahrnehmung. Trotzdem ist die beruhigende Wirkung von erlesenem Tabak - in der Pfeife oder in Form einer gut gelagerten Zigarre - durchaus eine Bereicherung. Wir haben uns davon überzeugt und diesmal das Pferd von der anderen Seite her aufgezäumt, indem wir der Einladung zu einer Zigarrenverkostung mit Whiskybegleitung folgten. Gute Zutaten zu einem Menü wie diesem sind Zigarren in verschiedenen Stärken und entsprechender Whisky, um mild beginnen und dann steigern zu können.

Thomas Schober hatte die Fertigstellung seines Clubraumes ausgerufen und ein guter Freund und Kunde – Walter Felsinger – organisierte kurzerhand die stilgerechte Einweihung. Das Cigarren- & Pfeifenstudio Schober ist eine eigene Welt, in der ein Aficionado alles findet, was sein Herz höher schlagen lässt. Uns war es auch wichtig, den Versuch zu wagen, guten Whisky mit ebensolchen Zigarren zu kombinieren. So fanden unter anderem ein Tamdhu (Hart Brothers, 1958-2000, 42 years old, 40,2%), ein Glen Keith (Gordon & MacPhail, 1967, 46%), ein Sample von „The Living Cask“, ein Brora (DL Platinum, 1977-2003, 26 years old, 54,9%, for Japan) und ein Millburn (Blackadder, 1974-2000, 25 years old, 58,5%) in eben solcher Reihung den Weg in unsere Gläser. Dazu wurde von milden dominikanischen (Avo Intermezzo) bis hin zu schweren kubanischen Zigarren (Partagas Serie D1 „Edición Limitada“) die jeweils passende Stärke gewählt und genossen wie in einem alten Hollywood Gangster Epos.

Abschließend darf als Erfahrung folgendes mitgegeben werden: sollte man die Bewertung von Whisky im Sinne haben so ist tunlichst darauf zu achten, einige Tage davor die Finger von jeglicher Rauchware zu lassen, um die üblichen sensorischen Fähigkeiten auch abrufen zu können. Als Ergänzung in der breiten Strasse der Genüsse ist so ein Abend aber aufgrund der Stimmung und der Gelassenheit - die auch ansonsten hektischste Menschen in ihren Bann zieht - jederzeit zu empfehlen.
8. Mai, 2006