
Man kann sagen was man will, das Wiener Potstill ist zur anerkannten Institution gewachsen, nicht nur was die Auswahl der dargebotenen Destillate angeht, sondern auch die Beschaffenheit als Kulturtreff der österreichischen Whisky Szene. Nicht umsonst wurde das urige Lokal (das eigentlich kein Lokal ist), auch diesmal als Treffpunkt für die Geburtstagsfeier der berühmt-berüchtigten ‚Simmeringer’ gewählt.
Über mehrere Stunden fand so ein reger Austausch an Personen, Bierfässern und Meinungen statt, der in Form und Zusammensetzung an eine Club 2 Unterredung mit Gastgeber Dr. Kurt Ostbahn alias Willi Resetarits erinnerte (für all jene, die den Herrn nicht kennen: die Resetarits-Brüder sind ungefähr vom selben Kaliber wie unsere Simmeringer, wobei diese sich
noch das Autogramme schreiben ersparen).

Da – ob der Hitze – jegliche Bewegung jenem Aufwand entsprach, der dem letzten Schritt einer Mount Everest Expedition gleich kommt, war Ausnutzung der halben Kraftanstrengung durch Hilfestellung unter Freunden angesagt, frei nach dem Motto: Du hältst meine Zigarre, während ich einen Schluck Bier, einen kleinen Snack und eine Whiskyprobe nehme … oder so. Welche Mengen an Bier und Zigarren auf diese bizarre Art und Weise vernichtet werden können, ist fast schon eine neue Naturwissenschaft und sei dahin gestellt.
Dies führt uns ohne Umwege zu einem Buchtipp der besonderen Art: wer an intelligentes Leben außerhalb seiner Whiskyflasche glaubt, sollte unbedingt den Bestseller von Bill Bryson - Eine kurze Geschichte von fast allem - lesen, erschienen im Goldmann-Verlag. Die englische Originalausgabe von 2003 wurde mit dem Titel ‚A Short History of Nearly Everything’ bei Broadway Books – New York verlegt. Um knappe 10 Euro erwerben Sie ein fundiertes, kluges und höchst vergnügliches Buch über die Wunder der Welt, das mit unvergleichlichem Witz und Charme geschrieben ist.

Gedanklich wieder zurück bei unserer Feier, hatte ein Teil der Gesellschaft längst auf die Straße wechseln müssen, aus Platz- und Temperaturgründen. Abermals konnte bewiesen werden, dass des Wieners Gemütlichkeit gepaart mit schottischer Lebensart eine unschlagbare Kombination darstellt. Wie der Leser bemerkt haben wird, muss es wohl triftigste Gründe für J und O geben, immer wieder der Herzlichkeit solcher Einladungen gerne und aus tiefster Überzeugung zu folgen. Vielen Dank!
26. Juli, 2006