
Im ersten Teil dieses Artikels sind wir zum Schluss gekommen, das Fußball ein wenig mehr Pfeffer braucht, wobei das kein Wortwitz Richtung Toni sein soll. Zurück zur Renaissance und weiter zurück zu mittelalterlichen Werten auf dem Feld! Hier sind sieben Punkte, die für etwas Abwechslung sorgen sollten und das Spiel interessanter für Menschen jeden Alters machen sollte, sowohl zum Zuschauen als auch zum Mitspielen:
1. Frauen dürfen mitspielen!
Warum die Hälfte der Bevölkerung aus dem Rekrutierungstopf verbannen? Sie interessieren sich nicht für Fußball? Sie hassen es sogar? Würden Sie auch, wenn man Ihnen nicht erlauben würde, zu spielen. Außerdem wäre Sliding Tackling und das Duschen im Anschluss sicher kurzweiliger für alle Beteiligten.
2. Verpflichtung von Fans!
Es gibt nichts Deprimierenderes als leere oder fast leere Fußballstadien. Zugegeben, das ist ein typisch österreichisches Problem. Das heißt also, dass die Fans animiert werden müssen. In den meisten Fällen werden sie von den mittelmäßigen Vorstellungen am Feld abgeschreckt. Dennoch, die Lockwirkung billigen Trinkstoffs ist eine große. Man muss also eine Fanbasis schaffen, die für eine gewisse Anzahl von Spielen engagiert wird. Wie die Spieler auf dem Rasen müssen auch sie immer zum Spiel erscheinen oder sie fassen saftige Strafen aus. Örtliche Brauereien könnten gewiss dazu gewonnen werden, diese Fanbasis zu sponsern, so dass ein großes Bier nicht mehr als 50 Cent kostet, was den nötigen Anreiz zum Abschluss eines Fanvertrags bringen würde. Die Fans, die nicht zum Spiel kommen und ihre Quote nicht trinken, erhalten Strafen und werden innerhalb der Trinkergemeinde ausgegrenzt.
3. Mehr Spieler!
Wie schon meine Großmutter gemeint hat, es wär’ doch am einfachsten, wenn jeder am Platz einen Ball hätte. Nun, vielleicht hat sie die komplizierten Mechanismen des Spiels noch nicht ganz durchschaut; trotzdem, wenn es mehr Leute am Feld gäbe, die KEINEN Ball haben, gäbe es ein energiereicheres Spiel mit weniger Ball- Herumschieben, das Zuschauer langweilt und sie das Interesse an ihrem Bier verlieren lässt. Ein durchschnittliches Fußballfeld ist ohnehin sehr groß, da wären 20 Spieler pro Seite sicher kein Problem.
4. Keine Freundschaftsspiele mehr!
Jedes Fußballspiel muss einen Existenzzweck haben. Jedes Spiel muss um etwas gehen. Nichts schlimmer als der Österreichische Fußballbund, der an 20.000 Eintrittskarten an Volksschulklassen verschenkt, damit das Stadium bei einem bedeutungslosen Freundschaftsspiel gegen Tonga wenigstens halbvoll ist. Die ganzen schrillen Kreischer und präpubertären Falsett-Gesänge! Nein, Fußball muss um etwas gehen, um Geld, einen Pokal, der besetzt ist mit Diamanten oder Perlen oder, wenn gerade nichts von Wert zur Hand ist, um die Ehre.
5. Größere Auswahl an Getränken!
Genau! Whisky! Stellen Sie sich vor: nicht mehr alle 15 Minuten auf die Toilette laufen, kein Anstellen mehr um flaches und lauwarmes Bier, weil Ihr Standard 2 Euro Pfand-Nosing Glas noch immer voll ist, weil Sie dem leicht holzigen Potstill Edition Glenfarclas die Zeit geben, die er zu Atmen braucht.
6. Keine Fernsehübertragungen mehr!
In alten Zeiten, als die Russell Crowes in den Kolosseums der Zeit ans Werk gegangen sind, waren da keine Kamerateams, die jede Bewegung filmten, keine dickleibigen Ex-Stars im Studio mit lähmenden Spielanalysen, keine Interviews mit Spielern, die gerade erst den aufrechten Gang gelernt haben. Panem et circenses lebte nicht auf einer gemütlichen Couch, sondern in gandenlosen, pulsierenden Arenas voller Ausdünstungen von wilden Tieren und Cervisia.
7. Schluss mit Raunzen und Fair Play!
Wie sehr geht uns das auf die Nerven! Leere Lippenbekenntnisse zu Fair Play, zugleich schlechte Schauspieler, die auf dem Feld alle Tode sterben und wenig später herumhüpfen wie aufgescheuchte Hühner. Verletzungen gibt es nun mal, vielleicht ist das die Richtung, in die Fußball geht. Schauen wir zurück ins Mittelalter. Kaum Regelwerk und sicher niemand, der sich dafür interessiert hätte, einen überbezahlten Josef Meinrad Verschnitt dabei zuzuschauen, wie er das Spiel ins Endlose zieht. Noch etwas: weniger Fair Play könnte auch in internationalen Begegnungen sehr heilsam sein: bei Aggressionen und drohenden bewaffneten Konflikten könnten durch ein Spiel, bei dem die zwei betroffenen Nationen ordentlich austeilen, Dampf abgelassen werden.

OK, einige dieser Vorschläge sind vielleicht etwas extrem, aber es muss etwas getan werden, bevor Fußball zur Tradition verkommt. Vielleicht ist das, was aus den Änderungen hier resultiert, nicht mehr Fußball. Ja, und? Hätten wir es je geschafft, die Sea Dragons und Manager’s Choices unserer Zeit zu produzieren, wenn wir schon nach dem ersten Potcheen aus toten Spatzen aufgehört hätten, unsere Destillierkünste zu verbessern? Die Verteidigung zieht sich zurück.
23. Juni, 2006