
Sie haben es wahrscheinlich bemerkt. Es ist wieder diese besondere Zeit, die alle vier Jahre kommt. Das Internet ist verseucht mit launigen Anleitungen, wie Frauen sich während der Matches zu verhalten haben. Jedes Geschäft auf der Hauptstrasse, sogar jenes, das Hörgeräte verkauft, hat entweder einen Fußball, ein Fußballtrikot oder einen mutterwitzigen Spruch zum Thema in der Auslage. Man zeigt uns damit, was wir wirklich nur dann versäumen hätten können, wenn die vergangenen Wochen unter einem Stein gelebt hätten: es ist Fußball WM. Und das ist gut so. Dennoch meinen wir, sollte man dem Ganzen ein Facelifting verpassen.
Doch die meisten Fußballfans sind gegen Änderungen; sie sind der Meinung, alles soll so bleiben, wie es immer war, weil es die Tradition verlangt. Die Tradition? Etwas mehr als hundert Jahre Fußball ist noch lang keine Tradition – da hat man gerade erst begonnen. Zeigt uns eure mittelalterlichen Adelsurkunden, Fans von der Südkurve! Sogar in der kurzen Zeit, in der es dieses Spiel - so wie wir es kennen und lieben - gibt, hat es immer wieder Änderungen am Spiel gegeben.

Nicht so im Bereich der genialen Variationen, die dieser Sport hat: das schottische Ba Game etwa, ist eine Art Mob-Fußball, der von ganzen Dörfern gegeneinander gespielt wird. Es ist wunderbar chaotisch, ausufernd und fast unkontrollierbar. Es gibt keine Werbepause. Außerdem ist es der letzte Schrei in Sachen interaktiver Sport, weil jeder teilnimmt, der nicht eilig verreist. Diejenigen, die in Dörfern wie Scone, Kirkwall oder Roxburgh dennoch zu Hause bleiben, sperren sich im Keller ein und destillieren alles Obst und Gemüse, das gerade zur Hand ist, bevor es zertrampelt wird.

Ein ähnliches Fußballnaturschauspiel bietet sich in Ashboure, England: das Royal Shrovetide Football Match am Faschingsdienstag. Es wird seit dem 12. Jahrhundert gespielt. Das nennt man Tradition.

Und natürlich in Italien: das Calcio Storico Fiorentino stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist im Prinzip eine Massenschlägerei, die zu einem Fußballspiel kondensiert wurde und alljährlich auf den Piazzas von Florenz ausgetragen wird, mit 27 Spielern pro Team und nur wenigen Regel, die Schönheit und Brutalität des Spiels beeinträchtigen.
Wenn man sich all das anschaut, versteht man, warum wir der Meinung sind, dass Fußball ein wenig aufgepeppt werden sollte. Wir haben sieben Punkte ausgearbeitet, die dieses Spiel noch interessanter machen könnten. Freuen Sie sich daher auf Teil 2 dieses Artikels, wo wir diese verraten werden (Muuuuhahaha!). Im zweiten Teil wird es dann auch die schon sehnsüchtig erwartete Whiskyreferenz geben.
21. Juni, 2006