
Mein lieber Freund Christian - alias ‚da Doc’ - erhielt seinerzeit von mir außer Salz und Brot auch eine nette Abfüllung zu seiner Wohnungsweihe. Nun, da sowohl Einleben und auch Ausleben wieder in gewohnten Bahnen laufen, wollte er den Inhalt des Fläschchens mal probieren und lud spontan zur Öffnung. In 15 Minuten war ich da.
Diese alten Sachen bringen mein Herz ja generell in Schwung. Selten habe ich bei solchen Pretiosen schlechte Qualität erlebt. So auch hier. Wunderbar! Eine zehnjährige Originalabfüllung von Glenfarclas für Italien mit gerade 40% Alkohol, irgendwann in den 1980ern abgefüllt und abgewickelt für eine italienische Firma (IMPORTATO DA F.LLI AVERNA S.p.A CALTANISSETTA LIC. UTIF N. 1 PA).

Die mittlere Farbgebung lässt die Verwendung von Sherryfässern erkennen und auch erschnuppern. Sofort nimmt man getrocknete Orangenschalen war, Anis, Gewürznelken und Ahornsirup. Etwas später treten schöne Fruchtkomponenten in Aktion, hier besonders Limetten und die Sternfrucht. Dann wird es etwas herber mit Sattelleder, um dann in die grasigen Gefilde zu wechseln und die Nasen mit rohen Karotten zu verwirren. Auch frisch geschnittene Blumenstengel finden sich jetzt, der Gesamteindruck ist harmonisch, warm und angenehm.
Im Geschmack überzeugt eine warme und würzige Hauptnote mit anhaltender Fruchtigkeit, die von Honig über diverse Obsteindrücke zu einer zart herben Süße übergeht. Wie so oft bei Abfüllungen aus dieser Zeit ist das Volumen, die Komplexität und die Länge und Wärme des Abganges völlig konträr zur Alkoholstärke. Um dies zu erreichen genügen heute die 40% Alkohol meistens schon lange nicht mehr, auch wenn man über die eine oder andere Veränderung des Destillates nach dem abfüllen in die Flasche nicht hinwegsehen will.

Nach eingehender Begutachtung des Tropfens erlaubten wir uns das Zünden von edler und lange gelagerter Rauchware, probierten den Glenfarclas auch im Cognacschwenker und genossen den Abend über alle Maßen.
08. Januar, 2008