
Kürzlich stattete mir PETER WANDL – seines Zeichens
wandelnde Whiskydatenbank – einen Besuch ab. Mit leeren Händen kam er auch nicht, ganz im Gegenteil! Peter hatte einen der besten Clynelish’s dabei, die man für Geld kaufen kann. Während wir so dies und das beplauderten, kosteten wir uns durch einige alte Abfüllungen. Ich muss gestehen, gegen den Clynelish kam an diesem Tage keine der verkosteten Abfüllungen an, einfach zu perfekt präsentierte sich das Destillat. Peter, vielen Dank für diese Eindrücke!
Anbei die Verkostungsnotizen von diesem Whisky:
Clynelish 23.07.1973/2006, 33 Years Old, 54.2%, Prestonfield Highland Vintage 1973, for La Maison du Whisky France, sherry butt N° 8912, bottle N°388 of 405
Farbe: ja, hell
Nase: Mann oh Mann, da tut sich was auf! Beim ersten Riecher gleich dieses berühmte ‚pritzeln’, sofort gefolgt von einer unglaublichen Fülle an Eindrücken: zuerst eine leichte Grasigkeit, dann Blumenwiese, Frühling und Sonne, beim nächsten Mal riechen kommen langsam die schweren Noten: vorab eine schwere Süße nach Zuckergebäck mit Vanilleglasur, Süßwein (Trockenbeerenauslese oder süße Spätlese), etwas Bühnennebel, Bienenwachs, warme Milch mit Honig, später auch frisch aus der Schote ausgekratzte Vanille, dann auch etwas Selchspeck und Torf (jedoch vorerst verhalten und im Hintergrund). Es wird fruchtiger, tropischer Obstsalat, mit Schwerpunkt auf Papayas, Mangos, Ananas und Bananen, englische Orangenmarmelade auf Buttertoast. Später (nach ca. 20 Minuten) wird der Geruch von frischem Leder stärker, auch tritt immer mehr eine schwere und torfige Süße in den Vordergrund, gepaart mit einer angenehmen Eisennote, welch ein Destillat! Noch später werden die Zitrusnoten immer stärker, die Süße wird noch runder und die Balance zwischen Süße, Torf, Fruchtigkeit und Rauch ist perfekt – jawohl, ich sagte: PERFEKT!
Geschmack: Süß, warm, edel, leichte angenehme Säure, dann immer schwerere Süße, Honig, Vanille, etwas Leder, Marzipan, fassgelagerter Grappa, leichtes Jod und Torf, etwas Tirolerspeck, Enzian-Schnaps (Serge, schau her!), auch hier die tollen Fruchtnoten, jedoch mit mehr Säure als im Geruch, also mehr Orangen, Limetten und die Bananen mit der zarten Bitterkeit der Bananenschale, sehr komplex und ausgewogen und so harmonisch wie eine junge Liebe. Die Rauchnote ist sehr zart und balanciert zwischen den Eindrücken umher, ohne jemals zu stören.
Abgang: Muuuuhahahahahaaa, so stellt man sich das vor, wenn man von Abgang spricht! So lang, so wärmend, so angenehm trotz 54,2%, es verbleibt die schwere und runde Süße mit leichten Anklängen von Salz, Algen, Jod, ein bissl Torf und Leder, wow!
05. Januar, 2008