GLENS EXTRA (Springbank) Masterclass mit Dominiek Bouckaert

Bei den
Lindoristi trägt er den Namen ‘The Master of the Word’. Von seinen Fähigkeiten konnten wir uns erstmals im Februar 2006 bei einer legendären
Clynelish Masterclass über Mr. Edoardo “Baffo” Giaccone überzeugen, dann anhand seiner wöchentlichen ‚The Master of the Word Reports’ auf der Lindores Website und nun während der am 27. Oktober 2007 in Oostende abgehaltenen Glens Extra - Springbank Masterclass.
Vermutlich aufgrund von Verkaufsargumenten sollten diese Abfüllungen nicht als Springbanks auf den italienischen Markt gelangen. Bis auf wenigen Insidern waren den Italienern damals nur Namen wie Glenfiddich oder The Glenlivet ein Begriff, sodass man sich kurzer Hand auf Glens Extra einigte. Heute sind nur diese drei hier beschriebenen Abfüllungen als Ausrutscher jenes frühen Marketingkonzeptes bekannt.

Charmant, humorvoll und eloquent führte Dominiek sein Publikum durch einen vielschichtigen und fast italienisch leichtfüßig wirkenden Vortrag. Eine genaue Beschreibung über die Herkunft dieser drei Raritäten lief ihm dabei ebenso problemlos von den Lippen wie eine eigens für diese Masterclass kreierte Version der Legende um den Kauf der Sibyllinischen Bücher durch den siebenten und letzten römischen König Tarquinius Superbus. Dominiek ersetzte in seiner Erzählung die Bücher jenes Mythos durch die besten jemals verfügbaren Whiskyflaschen, wechselte die Verben ‚verbrennen’ und ‚austrinken’ und tauschte den habgierigen König gegen einen geizigen Barbesitzer ein. Genial!

In der ursprünglichen Geschichte stellten die Sibyllinischen Bücher eine Sammlung von Orakelsprüchen in griechischen Hexametern dar und wurden durch Tarquinius der Wahrsagerin Sibylle von Cumae abgekauft. Der Legende nach bot Sibylle dem König neun Bücher mit Prophezeiungen zu einem wahnwitzigen Preis an, was dieser entrüstet ablehnte. Drei Bücher wurden daraufhin von der Wahrsagerin verbrannt und die restlichen sechs Bände bot sie dem König erneut an, jedoch zum gleichen Preis wie zuvor. Tarquinius Superbus winkte erneut ab, Sibylle verbrannte sofort die nächsten drei Bücher und bot sie, wieder zum unveränderten Preis, dem König an. Erst jetzt lenkte König Tarquinius endlich ein und erwarb die drei verbliebenen Bücher um den hohen Anfangspreis und ließ die stark dezimierte Sammlung sogleich in ein Gewölbe des Jupitertempels auf dem Kapitol bringen. Von dort sollen die Bücher in Krisensituationen während der gesamten Geschichte des römischen Reiches zu Rate gezogen worden sein, so besagt es der Mythos.

Während Astrid Kathrine von Ohl bestmöglich die Werbetrommel für die
Lindores
Whisky
Society rührte (siehe Foto), lauschte ich den Geschichten von Mr. Bouckaert und schrieb hin und wieder Bemerkungen in mein schlaues Buch.
Nachfolgend finden Sie die Eindrücke dieser wunderbaren und sehr seltenen Abfüllungen anhand der Tasting Notes wieder, auch diesmal ohne Punkte oder Scoring.
GLENS EXTRA (Springbank), 12 years old
distilled: end of 1950’s, bottled: 1960’s, 40% - 70° PROOF, 75cl. – 26²/³ Fl.oz., original bottling, black plastic screw cap
Farbe: sehr hell
Nase: elegant und zart, jedoch vielschichtig, leichte Kräuternote, Bühnennebel, sehr zarte Bananennote, Lychee, floral
Geschmack: angenehm fruchtige Süße, Bühnennebel, Trockeneis, sehr leicht salzig
Abgang: kurz – mittel, leicht wärmend
GLENS EXTRA (Springbank), 8 years old
distilled: end of 1950’s, bottled: 1960’s, 40% - 70° PROOF, 75cl. – 26²/³ Fl.oz., original bottling, black plastic screw cap
Farbe: sehr hell
Nase: ohhh, überraschend komplex, frisch, vielschichtig, tiefe Fruchtnoten, Sternfrucht, Melone, Kiwi, Golden Delicius Apfel, später etwas Anis
Geschmack: zuerst generell fruchtig, dann angenehme Süße, dann setzen frische Fruchttöne ein, gepaart mit einer leichten Eisennote (Jod?), gefolgt von einem sehr zarten Holzgeschmack (Sandelholz)
Abgang: mittel (und das bei ursprünglich 40% aus den 1060-ern!), wärmend
GLENS EXTRA (Springbank), 8 years old
distilled: end of 1950’s, bottled: 1960’s, 40% - 70° PROOF, 75cl. – 26²/³ Fl.oz., original bottling, golden metal screw cap
Farbe: hell
Nase: Kekse, Teignoten, Zuckerwatte, Marshmallows, später Kräuternoten
Geschmack: Anfangs etwas schüchtern, dann jedoch würziger, leichte Schärfe (Chili), gefolgt von fruchtiger Süße, Anklänge von Marzipan, Mandeln
Abgang: zuerst wärmend, mittel, lange anhaltende Fruchtnoten
04. November, 2007