
Barcelona. Verschwommen und doch klar, jedoch auf eine sehr subtile Art und Weise. Wie ein Spaziergang durch die Abschnitte der
Las Ramblas – der berühmten Flaniermeile Barcelonas - präsentiert sich dieser Whisky. So streifen wir durch die
Rambla de Sant Josep, die wegen ihrer unzähligen Blumenstände auch liebevoll
Rambla de les Flors genannt wird. Exotische Blüten duften, je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit, den ganzen Tag über in intensiven oder weniger intensiven Intervallen. Auch der
Mercat de la boqueria befindet sich auf diesem Teil der Rambla. Der Duft von Gewürzen und Kräutern auf diesem Markt mischt sich zu einem einzigartigen Cocktail, der nur durch den etwas später einsetzenden Geruch der Früchtestände mit jedem erdenklichen exotischen Obst übertönt wird. Feigen, Datteln, Kiwis und Limetten umschmeicheln besonders unsere Nasen an diesem herrlichen Ort.

Später dann nimmt man den frischen Schinkengeruch der Metzger war, inklusive einer leichten Jodnote, die schon die ganze Zeit über präsent war, jedoch nicht bewusst wahrgenommen worden war. Und als ob dies nicht bereits genug Überraschungen gewesen wären, taucht plötzlich auf einer Ecke und ganz unvermutet ein Stand mit karamellisierten und gerösteten Nüssen auf und weiter oben in den Regalen finden sich jede Art von getrockneten und sehr süßen Fruchtscheiben.
Selbstverständlich probieren wir die eine oder andere Leckerei und siehe da, besonders schmecken uns vorab einige der luftgetrockneten Schinken, die der Verkäufer per Hand in hauchdünnen Scheiben abschneidet. Danach haben wir Lust auf etwas Süßes und so kosten wir uns durch einige der getrockneten Früchte und landen schließlich bei einer dunklen Chilischokolade, die wir in dieser Form zum ersten Mal in unserem Leben probieren. Herrlich ist die Balance zwischen herber, vielschichtigen Süße und einer zarten Schärfe. Gemeinsam mit dem Trockenobst verbleibt dieser Eindruck noch lange auf unseren Gaumen.

Alles in allem wirkt dieser Ardbeg etwas untypisch und wie ein Ausflug in eine andere Welt - wie die Andersartigkeit der Architektur Gaudis als schönes Beispiel für diesen seltenen Malt. Wenn man hunderte Treppen gesehen hat und dann vor der Eingangsstiege zum
Park Güell steht, weiss man in etwa, was gemeint ist. Oben thront die
Sala Hippostila und von dort erahnt man die Schönheit der am Horizont aufragenden
Sagrada Família. Die Passionsfassade dieser bekanntesten Kirche Barcelonas ruht – dem Anblickenden wie zum Hohn - fragil wirkend und doch stabil auf ihren sechs schrägen Säulen. Satt und fest, baulich in komplexer Struktur ist dieser Ardbeg aus der Old Malt Cask Serie, doch zart und fragil in der Vielschichtigkeit seiner Aromen. 27 Jahre durfte er seit 1975 reifen, ehe er im Oktober 2002 mit 50% Alkoholstärke in nur 180 Flaschen für den amerikanischen Markt gefüllt wurde. Man merkt den Einfluss des sicher nicht zum ersten Mal befüllten Sherryfasses, das eine Harmonie in diesen Whisky gebracht hat und ihn auf die schönste Art und Weise bändigen konnte.
18. Oktober, 2007