
Durch das Matthias Tor hindurch gelangt man in den zweiten Burghof, dessen Fassaden gegen Ende des 18. Jahrhunderts ebenfalls von Picassi gestaltet wurden. Die ursprünglichen Gebäude stammen jedoch aus dem 16. Jahrhundert. In diesem Hof steht die barocke Heilig-Kreuz-Kapelle, wo lange Zeit auch der berühmte Domschatz aufbewahrt wurde. Werke berühmter Künstler wie Tizian und Rubens sind in der Burggalerie zu bewundern, die sich ebenso im zweiten Burghof befindet.

Nun gelangt man in das Herz der Anlage, dem dritten Burghof. Zu sehen sind hier der Veitsdom, die St. Georgs Basilika, die Nationalgalerie und der alte Königspalast, der 1618 auch Schauplatz des 'Zweiten Prager Fenstersturzes' war. Der St. Veitsdom überragt nicht nur die Burg selbst, sondern auch die gesamte Stadt Prag mit seinen Türmen. Begonnen wurde mit dem Bau dieser gotischen Kathedrale bereits im Jahre 1344 unter Karl dem IV, als Prag wie erwähnt Erzbistum wurde. Einige Jahrhunderte und viele Baumeister später war dann endlich die Krönungsstätte und Gruft vieler böhmischer Herrscher im Jahre 1926 fertig gestellt und hatte somit beinahe 600 Jahre in Anspruch genommen. Fast vergessen ist die romanische Rotunde – ein überkuppelter Rundbau – der schon im 10. Jahrhundert an Stelle des heutigen Domes von Herzog Wenzel dem Heiligen errichtet und im Jahre 925 dem heiligen Veit gewidmet worden war.

Neben dem St. Georgs Kloster erkennt man die direkt angebaute St. Georgs Basilika, eine um 920 errichtete Kirche und damit das bedeutendste romanische Bauwerk der Stadt.
Trotzdem der aus dem 18. Jahrhundert stammende Einfluss Maria Theresias deutlich spürbar ist, wurde glücklicher Weise nicht alles nach den Plänen Picassis verändert. So bietet dieser Platz eine wunderbare und eigene Atmosphäre, die nur ganz leicht durch zu viele Touristen und Wachablösungen getrübt werden könnte, aber wer fährt denn schon im Sommer nach Prag?
Während einer kurzen Rast hat uns eine ca. sechs Zentimeter große Kirchenspinne Gesellschaft geleistet, die sich durch wirklich nichts aus der Ruhe bringen ließ. Sie verschwand erst in einer Mauerspalte, als wir uns anschickten, wieder von Dannen zu ziehen. Immerhin hatten wir kurzzeitig das Gefühl, mitten in einer Universum Folge zu stecken...
26. September, 2007