
Wien ist wahrlich kein weißer Fleck auf der kulinarischen Landkarte, gastronomische Sternstunden sind vielerorts möglich in unserer Kulturstadt. Deswegen fühlen wir uns dazu berufen, über außergewöhnlich genussreiche Ereignisse zu berichten, die nicht nur bei unseren Gürtellängen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Der Schwarze Adler in Wiens Schönbrunnerstrasse 40 darf auf unserer Liste der besten Wirtshäuser Österreichs daher auf keinen Fall fehlen.

Küchenchef Robert Wallner erkochte jahrelang 3 Hauben im Wiener Restaurant Altwienerhof unter dem viel zu früh verstorbenen Chef Rudolf Kellner. Dessen Charisma war es wohl zu verdanken, dass in seinem Schatten einer der besten Köche Österreichs relativ unbekannt blieb, obwohl die Perfektion seiner zubereiteten Speisen ihresgleichen sucht. Schon der Gruß aus der Küche - Kitzbeuschel mit Serviettenknöderl - lässt erahnen, was einen erwartet an diesem Tag. Als erster Gang folgt eine in ihrer Konsistenz und Frische unglaubliche Spanferkelschinkensulz, die perfekt zum Grünen Veltliner DAC passt.

Die Freude steigt weiter an mit der dann kredenzten Bärlauchcremesuppe. Wunderbarer frischer Geschmack, nicht überwürzt und gerade deshalb ein Erlebnis, selbstredend in genau der richtigen Temperatur serviert. Man registriert langsam, dass Robert Wallner wohl ein Fan der klassischen Wiener Küche ist. Unverfälscht und mit präziser Leichtigkeit landen ausschließlich jene Zutaten auf dem Teller, die in ihrer Kombination jene Meisterschaft ergeben, die andere vielleicht durch allerlei Firlefanz zu verdecken suchen.

Welsfilet in Paprikagemüse, dazu Braterdäpfel der feinsten Sorte – Perfektion kann so einfach sein. Besser à point gebraten kann dieser Fisch nicht sein und die Bratkartoffel formen zusammen mit dem Paprikagemüse ein Schmunzeln auf unsere Gesichter. Niemals hat man das Gefühl, dass irgendetwas nicht genau so auf den Tisch kommt, wie es Robert Wallner in seiner Küche erdacht hat. Sogar das Tempo, mit dem die einzelnen Gänge serviert werden, ist genau durchdacht und gehört zum Erlebnis.

Während wir nun auf Rotwein (Cuvée 2004, Haiden) umsteigen sehen wir uns die Rindsroulade mit Gemüsefülle in Rotweinsoße auf Erdäpfelpüree an. Allein die Reduktion der Rotweinsoße dürfte an die 5 Stunden in Anspruch genommen haben. Wunderbar auch die Konsistenz des Pürees, an dem J immer wieder die Qualität eines Restaurants misst. Selbst das Gemüse in der Roulade ist noch bissfest, ein kleines Wunder für sich.

Wer in Wien die dünnsten Palatschinken mit dem besten Geschmack möchte, wird um den schwarzen Adler ebenfalls nicht herumkommen. Die Fülle dieser Mutter aller Nachspeisen besteht aus Marillenmarmelade, natürlich mit einem kleinen Schuss Rum verfeinert. Erstaunlich auch die Qualität des doppelten Espressos, den man uns dazustellt. Erwähnenswert auch die Ober, die genau mit der richtigen Portion Wiener Schmäh gerüstet sind, sodass uns nicht nur das epochale Mahl ein Lächeln entlockt.
6. Mai, 2006